Memorium Nürnberger Prozesse – Ort der Geschichte

Das Memorium Nürnberger Prozesse ist eine weltweit bekannte Gedenkstätte im Nürnberger Justizpalast. Am historischen Ort – dem Saal 600 – wurde ab 1945 Rechtsgeschichte geschrieben, indem die Hauptverantwortlichen des NS-Regimes zur Rechenschaft gezogen wurden.

  • Highlight: Der originale Gerichtssaal 600 (inklusive moderner Medieninstallation).
  • Anreise: U-Bahn U1 bis Station „Bärenschanze“.
  • Dauer: Planen Sie etwa 1,5 bis 2 Stunden für den Rundgang ein.
  • Wichtig: Dienstags ist die Gedenkstätte geschlossen!

Wer durch den Nürnberger Westen spaziert und vor dem mächtigen Justizpalast steht, ahnt im ersten Moment vielleicht gar nicht, was für weltbewegende Dinge sich hinter diesen schweren Sandsteinmauern abgespielt haben. Hier befindet sich das Memorium Nürnberger Prozesse – ein Ort, der wie kaum ein anderer auf der Erde für den Beginn des modernen Völkerstrafrechts steht. Es ist viel mehr als ein klassisches, trockenes Museum.

Es fühlt sich an wie ein lebendiges Mahnmal und ein echtes Symbol für Gerechtigkeit, das einen emotional packt und so schnell nicht wieder loslässt. In diesem ausführlichen Ratgeber nehmen wir Sie an die Hand und zeigen Ihnen alles, was Sie für Ihren Besuch wissen müssen – von den echten Gänsehaut-Momenten im historischen Gerichtssaal bis hin zu den praktischen Dingen für Ihre ganz persönliche Tagesplanung.

Weltgeschichte im Saal 600: Was Sie vor Ort erwartet

Das absolute Herzstück der gesamten Anlage ist unumstritten der historische Saal 600. Genau in diesem Raum saßen zwischen 1945 und 1949 die mächtigsten Akteure des NS-Regimes auf der Anklagebank, um sich vor den alliierten Siegermächten für ihre unvorstellbaren Verbrechen zu verantworten. Das Spannende an diesem Ort ist seine Geschichte nach dem Krieg: Über Jahrzehnte hinweg wurde der Saal nämlich noch für ganz normale, alltägliche Strafverfahren des Landgerichts Nürnberg-Fürth genutzt.

Das bedeutete lange Zeit, dass man als Tourist nur am Wochenende einen Blick hineinwerfen durfte, wenn das Gericht leer war. Seit März 2020 ist damit aber endgültig Schluss. Der Raum wurde offiziell aus dem aktiven Dienst verabschiedet und ist nun als fester, Herzschlag-Bestandteil des Museums komplett für die Öffentlichkeit zugänglich. Um den Besuchern die damalige Atmosphäre richtig greifbar zu machen, wurde die Ausstellung mit moderner Technik ausgestattet, die den Raum in ein multimediales Erlebnis verwandelt.

Ein echtes Highlight, das Sie bei Ihrem Rundgang auf keinen Fall verpassen sollten, ist die integrierte Medieninstallation „Zeitreise Saal 600“. In einer rund 15-minütigen Präsentation erwacht der Raum regelrecht zum Leben: Historische Film- und Tonaufnahmen der Prozesse werden mittels moderner Technik direkt auf die Wände und in die heutige Architektur des Saales projiziert. Das Zusammenspiel aus den Originalstimmen der Richter und Angeklagten und den echten Holzpanelen, die man dabei direkt vor Augen hat, erzeugt eine ganz eigene, fast greifbare Dynamik, die tiefen Eindruck hinterlässt. Wer sich authentisch für die Memorium Nürnberg Prozesse interessiert, erlebt hier einen Moment, der noch lange nachwirkt.

Die Dauerausstellung und der neue Cube 600

Wenn Sie den Saal verlassen, führt Sie der Weg direkt ins Dachgeschoss des Ostbaus zur umfassenden Dauerausstellung. Hier wird das historische Geschehen verständlich und lebendig aufbereitet: von den politischen Verflechtungen der Vorkriegszeit über die unglaubliche Logistik dieser Mammutprozesse bis hin zur Geburtsstunde des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Wer noch tiefer in moderne Debatten einsteigen möchte, findet im angrenzenden Erweiterungsbau, dem sogenannten „Cube 600“, regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Diese schlagen eine Brücke von den Ereignissen im Jahr 1945 zu aktuellen Menschenrechtsthemen und der Aufarbeitung von Diktaturen weltweit.

Tickets, Eintrittspreise und Führungen: Der große Service-Check

Damit Ihr Ausflug zur Gedenkstätte vollkommen entspannt verläuft und Sie nicht unnötig in der Warteschlange stehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die organisatorischen Details im Vorfeld. Die Strukturierung Ihres Besuchs erfordert zum Glück nur wenig Vorbereitung, da das Museumsteam die Abläufe für Individualbesucher wie auch für Gruppen hervorragend optimiert hat. Dennoch gibt es einige Fixpunkte wie den wöchentlichen Ruhetag und die Ticketbuchung, die man unbedingt auf dem Schirm haben sollte, um das Beste aus dem Kulturausflug herauszuholen.

Wo gibt es Tickets für das Memorium Nürnberger Prozesse?

Da das Memorium ein internationaler Anziehungspunkt für Touristen, Schulklassen und Fachbesucher gleichermaßen ist, kann es gerade an den Wochenenden, in den Ferien oder rund um Feiertage im Kassenbereich ziemlich voll werden.

Um sich den Einlass zu Ihrer Wunschzeit fest zu sichern, buchen Sie Ihre Tickets für das Memorium Nürnberger Prozesse am besten vorab online. Über das offizielle Ticketportal der Museen der Stadt Nürnberg können Sie ganz unkompliziert ein passendes Zeitfenster auswählen. So umgehen Sie das Risiko, vor Ort lange warten zu müssen oder im schlimmsten Fall wegen Überfüllung keinen Einlass mehr zu bekommen.

Wie teuer ist das Memorium Nürnberger Prozesse bei den Eintrittspreisen?

Die Stadt Nürnberg setzt bei der Preisgestaltung erfreulicherweise auf Zugänglichkeit, sodass ein Besuch auch für Familien oder größere Gruppen absolut bezahlbar bleibt. Die regulären Eintrittspreise für das Memorium Nürnberger Prozesse sind gestaffelt und decken verschiedene Lebenslagen ab. Erwachsene zahlen 7,50 Euro, während es für Studierende, Auszubildende oder Jugendliche ermäßigte Karten für 2,50 Euro gibt. Für kleinere Familien oder Alleinerziehende bietet sich die Kleingruppenkarte für 8,00 Euro an, die für einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder gültig ist.

Wenn Sie an einem Tag noch mehr erleben möchten, fragen Sie an der Kasse nach dem Tagesticket-Aufpreis. Damit verwandelt sich Ihre Eintrittskarte in ein Kombiticket, mit dem Sie am selben Kalendertag auch andere städtische Museen wie das berühmte Albrecht-Dürer-Haus in der Altstadt oder das Stadtmuseum Fembohaus ohne weitere Kosten besuchen können. Wer beim Entdecken der Stadtgeschichte übrigens noch mehr sparen möchte, findet in unserem Magazin auch eine Übersicht über kostenlose Museen in Nürnberg.

Wann hat das Memorium Nürnberger Prozesse bei den Öffnungszeiten geöffnet?

Nichts ist ärgerlicher, als voller Vorfreude vor verschlossenen Türen zu stehen. Daher sollten Sie Ihre Tagesplanung unbedingt auf die regulären Öffnungszeiten des Memoriums der Nürnberger Prozesse abstimmen. Grundsätzlich ist die Gedenkstätte fast das gesamte Jahr über verlässlich erreichbar, solange Sie den wöchentlichen Ruhetag im Blick behalten. Von Mittwoch bis Montag hat das Haus geöffnet, wobei die Türen werktags meist ab 9:00 Uhr und an Samstagen sowie Sonntagen ab 10:00 Uhr bis jeweils 18:00 Uhr abends offenstehen.

Am Dienstag ist Ruhetag, an dem das gesamte Areal für den Publikumsverkehr geschlossen bleibt. Der letzte Einlass wird in der Regel bis 17:30 Uhr gewährt. Da die Ausstellung im Dachgeschoss jedoch sehr detailreich und textintensiv ist, sollten Sie spätestens um 16:00 Uhr vor Ort sein, um die Eindrücke ohne Zeitdruck auf sich wirken lassen zu können.

Wie läuft im Memorium Nürnberger Prozesse eine Führung ab?

Gerade bei einem so vielschichtigen Thema wie dem Völkerstrafrecht hilft der Blick von außen enorm dabei, die Puzzleteile richtig zusammenzusetzen. Eine professionelle Führung durch das Memorium Nürnberger Prozesse ist deshalb absolut empfehlenswert. Das Museum bietet an den Wochenenden regelmäßig öffentliche Rundgänge an, bei denen erfahrene Guides die Hintergründe der Prozesse lebendig und nahbar erklären.

Wer lieber unabhängig bleibt, nutzt einfach den im regulären Eintrittspreis bereits enthaltenen Audio-Guide, der in zahlreichen Sprachen verfügbar ist und Sie flexibel durch die Räume leitet. Falls Sie planen, mit einer Schulklasse, einem Verein oder einer privaten Reisegruppe ab 10 Personen anzureisen, sollten Sie die Gruppenführung unbedingt drei bis vier Wochen im Voraus über die Museums-Homepage anmelden.

Warum gehört es zu den wichtigsten Museen in Nürnberg?

Es gibt viele historische Lernorte in der Region, aber wer die verschiedenen Nürnberger Museen und Orte wie das Memorium Nürnberger Prozesse miteinander vergleicht, spürt schnell die ganz besondere symbolische Kraft dieses Schauplatzes. Nürnberg war im Dritten Reich die selbsternannte „Stadt der Reichsparteitage“, die Kulisse für die gigantomanische Propaganda der Nationalsozialisten. Dass die alliierten Siegermächte nach dem Krieg ausgerechnet den unzerstörten Schwurgerichtssaal des Nürnberger Justizpalastes wählten, um die juristische Aufarbeitung zu beginnen, war ein bewusstes und unmissverständliches Signal an die Weltgemeinschaft.

Um diese historische Dynamik in ihrer Gänze zu begreifen, lässt sich der Besuch im Memorium wunderbar mit einem Abstecher zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (externer Link) im Südosten der Stadt verbinden. Zusammen bilden diese beiden Institutionen die perfekte inhaltliche Klammer: Sie zeigen eindrücklich den langen, schmerzhaften Weg Nürnbergs von der ehemaligen Kulisse der Diktatur hin zur heutigen, stolzen „Stadt der Menschenrechte“.

Was sagen die Rezensionen und Erfahrungen der Besucher?

Schaut man sich auf den bekannten Reise - und Kulturplattformen um, sprechen die weltweiten Stimmen eine deutliche Sprache. In den zahlreichen Rezensionen zum Memorium Nürnberger Prozesse heben Besucher vor allem die respektvolle, sachliche und gleichzeitig moderne Art der Vermittlung hervor. Es wird gelobt, dass hier kein klassischer Zeigefinger gehoben wird, sondern die historischen Dokumente, Fotos und Tonspuren für sich selbst sprechen dürfen. Auch die hohe Qualität der Audio-Guides wird immer wieder als dicker Pluspunkt genannt.

Ein ehrlicher Rat für den Familienausflug

Aufgrund der emotionalen Dichte, der Schwere der behandelten Verbrechen und der recht textreichen Stationen ist die Dauerausstellung primär für Erwachsene sowie Jugendliche ab etwa 14 Jahren konzipiert. Für jüngere Besucher könnte die Fülle an juristischen Details schnell trocken oder überfordernd wirken. Wer dennoch mit Teenagern anreist, kann auf das vom Museum entwickelte digitale Lernspiel „Tribunal 45“ zurückgreifen, das einen interaktiven und altersgerechten Einstieg in die Thematik bietet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Memorium und den Prozessen

Die historischen Ereignisse rund um die Gerichtsverfahren werfen auch Jahrzehnte später noch viele spezifische Fragen bei den Besuchern auf. Um Ihnen den Einstieg in die Thematik zu erleichtern und die am häufigsten gesuchten Details direkt zu beantworten, haben wir die wichtigsten Fakten hier übersichtlich zusammengefasst. Diese Einblicke helfen dabei, die juristischen und menschlichen Dimensionen der damaligen Urteilssprüche noch besser zu verstehen.

Was passierte mit den Leichen der Nürnberger Prozesse?

Nachdem am 1. Oktober 1946 die Urteile im Hauptprozess gesprochen worden waren, wurden die zehn zum Tode verurteilten NS-Kriegsverbrecher in der Nacht auf den 16. Oktober 1946 im Turnraum des Nürnberger Justizgefängnisses durch den Strang hingerichtet. Hermann Göring entzog sich der Vollstreckung wenige Stunden zuvor durch die Einnahme einer Zyankalikapsel.

Um zu verhindern, dass die Gräber der Hingerichteten in der Zukunft zu rechtsextremen Pilger- oder Wallfahrtsstätten werden, wurden alle elf Leichname noch in derselben Nacht unter strenger Geheimhaltung und falschen Namen in das Krematorium des Münchner Ostfriedhofs transportiert und eingeäschert. Die Asche wurde anschließend im Conwentzbach, einem kleinen Zufluss der Isar im Süden von München, verstreut, sodass keine physischen Überreste der Verurteilten zurückblieben.

Wer wurde bei den Nürnberger Prozessen nicht zum Tode verurteilt?

Nicht alle der Hauptangeklagten im ersten Prozess erhielten das Todesurteil. Mehrere Personen wurden zu langjährigen oder lebenslangen Haftstrafen verurteilt, die sie anschließend im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau absitzen mussten. Zu lebenslanger Haft wurden Rudolf Heß (der dort 1987 als letzter Häftling verstarb), der ehemalige Reichsbankpräsident Walter Funk und Großadmiral Erich Raeder verurteilt. Zeitlich begrenzte Haftstrafen erhielten der ehemalige Rüstungsminister Albert Speer (20 Jahre), der ehemalige Reichsjugendführer Baldur von Schirach (20 Jahre), der frühere Außenminister Konstantin von Neurath (15 Jahre) sowie Großadmiral Karl Dönitz (10 Jahre).

Welche drei Angeklagten wurden im Nürnberger Prozess freigesprochen?

Trotz der schweren Vorwürfe und gegen den expliziten Protest des sowjetischen Richters endete das Verfahren für drei der Angeklagten mit einem überraschenden Ergebnis. Sie wurden am 1. Oktober 1946 in allen Anklagepunkten freigesprochen und noch am selben Abend aus dem Gefängnis entlassen.

Dabei handelte es sich um Hjalmar Schacht (ehemaliger Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister), Franz von Papen (ehemaliger Vizekanzler unter Hitler) und Hans Fritzsche (Leiter der Rundfunkabteilung im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda). Alle drei wurden allerdings in den darauffolgenden Jahren von deutschen Spruchkammern im Zuge der lokalen Entnazifizierung erneut vor Gericht gestellt und zu Arbeitslager-Haftstrafen verurteilt, von denen sie jedoch nur Teile verbüßen mussten.

Fazit: Ein unverzichtbarer Ort der Erinnerungskultur

Wenn man am Ende des Rundgangs wieder ins Freie tritt und den Blick über das imposante Justizgebäude schweifen lässt, bleibt ein tiefes Gefühl von Demut zurück. Das Memorium ist eben keine verstaubte Ausstellung, die bloß die Vergangenheit verwaltet. Es markiert den exakten historischen Moment, an dem die Weltgemeinschaft aufhörte, wegzuschauen, und beschloss, dass staatliches Unrecht niemals ungeahndet bleiben darf.

Für jeden, der in unserer Region lebt oder zu Besuch nach Nürnberg kommt, ist diese Gedenkstätte ein absolutes Must-see. Sie zeigt uns auf ergreifende, zutiefst menschliche Weise, wie kostbar und verletzlich die Werte Freiheit, Recht und Menschlichkeit sind. Falls Sie nach diesem bewegenden Museumsbesuch noch Inspiration für den restlichen Tag suchen, finden Sie auf unserem Blog viele weitere spannende Aktivitäten in Nürnberg. Schauen Sie am besten gleich auf der offiziellen Webseite des Memoriums vorbei, werfen Sie einen Blick auf die aktuellen Sonderprojekte und sichern Sie sich Ihre Tickets für ein packendes Kulturerlebnis direkt vor unserer Haustür!

Bild von Sang Hyun Cho auf Pixabay